Die Costa Smeralda-Story

So schnell kann ganz klein, ganz groß werden oder wie eine Mücke zum Elefanten wurde. Die Geschichte der Costa Smeralda könnte viele Namen tragen. Von welcher Seite auch immer man diese Geschichte betrachtet, sie ist einzigartig und unfassbar. Die Auswirkungen dieses doch winzigen Küstenstreifens mit einer Länge von 55 km zwischen dem Golf von Cugnano und dem Golf von Arzachena sind dennoch einschneidend und prägend für Sardinien insgesamt.

Karim Aga Kahn erwirbt den Küstenstreifen

Noch bis 1960 waren diese 5.000 Hektar Erde nicht mehr oder weniger interessant als woanders auf Sardinien. Unberührte Einöde, durchzogen von Macchia und Granitfelsen - fest in der Hand von Schafen und Ziegen. Doch dann nahm der sagenumwobene Aufstieg dieses Brachlandes seinen Lauf. Der damals 20jährige Karim Aga Khan, milliardenschweres Oberhaupt der Ismaiiltischen Kirche, erkannte die Schönheit und Vorzüge dieses Küsten-Eldorados: türkisblaues Wasser, weiß schimmernde Strände und im Hinterland bizarr anmutende Granitfelsformationen. Die perfekte Kulisse für den gelebten Traum.

Die Costa Smeralda entsteht

Mit weiteren Investoren kaufte Aga Khan für wenig Geld die damalige Einöde und plante generalstabsmäßig die touristische Entwicklung dieser Landstrichs. Er erfand den Kunstnamen "Costa Smeralda" (Smaragdküste) als geschützten Markennamen und schuf eine "Traumwelt" nach seinen Vorstellungen. Oberste Priorität war und ist, die Schönheit der Natur zu bewahren. Das 1962 gegründete "Consortio Costa Smeralda" wachte fortan über die Einhaltung der von Aga Khan erlassenen, strengen Vorschriften. So wurde verhindert, dass die Landschaft von hässlichen Betonburgen verschandelt wurde. Es sollte eine Bilderbuchlandschaft entstehen, wo das Auge nicht an klotzigen Umweltsünden und schnöden Massenhotels hängenbleibt.

Gleichzeitig setzte Aga Khan mit seinen Bauten architektonische Maßstäbe. Seine vier Luxushotels Cala di Volpe, Pitrizza, Romazzino und Cervo wurden von namhaften Architekten in die Landschaft eingepasst. Sein erstes Bauwerk, das weltberühmte 5-Sterne-Hotel Cala di Volpe, wurde vom französischen Stararchitekten Jacques Couelle gestaltet. Es war der Anfang des neuen "neosardischen" Baustils als Leitfaden für weitere Erschließungen in Sardinien.

Die erste Adresse der Reichen und Schönen

Damit seine neuen Prachthäuser auch gut zu ererichen waren, gründete er die Fluglinie Meridiana, ließ in Olbia einen Flughafen bauen und lud fortan Freunde aus dem Jetset zu sich ein: von den Beatles bis zu Mitgliedern der englischen Königsfamilie. Das eine kam nun zum andernen. So wurde der James Bond-Klassiker "Der Spion der mich liebte" mit Roger Moore in Teilen an der Costa Smeralda gedreht oder 1997 speisten hier Prinzessin Di und Dodi Al Fayette einen Tag vor ihrem tragischen Tod in Paris. Schnell war die neue Adresse der Reichen und Schönen weltweit ein Begriff. Der Werbemaschinerie wurde geschickt gesteuert. Wer etwas auf sich hielt, musste an diesem luxuriösen Treiben teilhaben. Uns sie kamen alle.

Mittlerweile ist der glanzvolle Ruhm etwas verblast. Dennoch ist die Costa Smeralda über Jahrzehnte in den Sommermonaten ein Luxusreservat geblieben, während anderswo Betonburgen und Massentourismus den Ton angeben. Das alles hat das Consortio von der Costa Smeralda fern gehalten. Auch weil die Hälfte der 70 Hotels und drei Viertel der 7400 Hotelbetten zu den oberen Kategorien mit vier und fünf Sternen gehören und Aga Khan dies an der Costa Smeralda nicht anders zugelassen hatte.

Kein Massentourismus

Obwohl der Imam Karin Aga Khan mittlerweile einen Großteil der Hotels und Ländereien wieder verkauft hat, traut sich bis heute niemand, den "Pfad der Tugend" zu verlassen. Noch immer gelten die strengen Vorschriften. Ohne das Einverständnis des "Consortio Costa Smeralda" passiert hier nichts. Das ist vielleicht die herausragende Leistung des Karim Aga Khan und die zementierte Konsequenz der Costa Smeralda-Story.